23.08.2010 Frau Dr. Regina Ruppert im Interview bei den Lübecker Nachrichten
Am 21.08.2010 wurde das von den Lübecker Nachrichten geführte Interview mit Frau Dr. Regina Ruppert auf Seite 3 der Sonnabendausgabe der Zeitung abgedruckt. Frau Dr. Ruppert wurde zum Thema anonyme Bewerbungsunterlagen und die Relevanz von Informationen zum Bewerber befragt. Die Redakteurin Frau Annika Reichardt führte das Gespräch telefonisch mit Frau Dr. Ruppert. Der Artikel wurde am selben Tag auch noch in der Ostseezeitung veröffentlicht.
Wir stellen Ihnen das Interview in Texform unter diesem Beitrag zur Verfügung. Zusätzlich haben Sie die Möglichkeit, den Ausschnitt unter diesem Link als Bilddatei abzurufen.
Interview mit Frau Dr. Regina Ruppert, Original abgedruckt in den Lübecker Nachrichten vom 21.08.2010 auf Seite 3:
Dipl.-Kauffrau Dr. Regina Ruppert ist Geschäftsführerin der Berliner Personalberatung selaestus.
LN: Sie suchen Führungskräfte für Unternehmen – welchen Stellenwert haben Foto und Co. dabei?
Ruppert: Gemäß dem Antidiskriminierungsgesetz (AGG, die Red.) ist es schon heute so, dass persönliche Angaben keine Rolle mehr spielen sollen – doch aus Gesprächen mit Personalleitern und Geschäftsführern weiß ich, dass die nicht-anonymisierten Bewerbungen immer noch bevorzugt werden.Manmöchte konkret wissen, umwen es sich handelt, umschnell und zuverlässig eine Aussage treffen zu können.
LN: Was ist so wichtig an diesen Zusatzinformationen?
Ruppert: Durch ein Foto werden auch Emotionen transportiert. Und dieses sogenannte Bauchgefühl spielt bei einer Bewerbung durchaus eine Rolle.
LN: Es geht umSympathie.
Ruppert: Und das ist menschlich. Durch das Antidiskriminierungsgesetz wird versucht, das Verfahren stark zu standardisieren und zu objektivieren, was generell positiv ist, da es Einzelfälle gibt, wo sich Entscheidungsträger in erster Linie vom Foto leiten lassen und die Bewerbung nicht mehr lesen. Wenn man das Foto aber als einen Baustein des Gesamteindruckes sieht, ist es sinnvoll.
LN: Darauf würden Sie nicht verzichten wollen?
Ruppert: Ich werde darauf verzichten müssen, denn laut AGG dürfen sich Kandidaten ja bereits ohne Angabe ihres Geschlechtes und ohne Foto bewerben. Dies ist nicht immer vorteilhaft, das Verfahren wird komplizierter und kann sich dadurch länger hinschleppen.
LN: Und wird dadurch teuer?
Ruppert: Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen ist es ungeheuer wichtig, dass der Kandidat ins Team passt. Dort wird Sozialkompetenzen ein noch höherer Wert beigemessen als in Konzernen, wo ein Kandidat aufgrund der vielen Optionen ja nicht zwangsläufig nur für dieses eine Team passen muss.
LN:Wasversprechen sich große Unternehmen wie L’Oréal davon, bei dem Pilotversuch mitzumachen?
Ruppert: Das hat mit “Corporate Social Responsibility” zu tun: Unternehmen versuchen, eine Vorreiterfunktion in Bezug auf soziale Verantwortung einzunehmen. Es zeigt ja eine besondere Wertschätzung den Bewerbern gegenüber, dass man imersten Schritt eben nicht alle Informationen abfordert sondern sagt: Ihr seid alle gleich. Und besonders Bewerber mit Migrationshintergrund würden in der Tat davon profitieren.
Unter diesem ethischen Postulat macht das durchaus Sinn.



